Verlauf von Unternehmenskrisen

„Risikomanagement brauche ich nicht, dafür ist mein Unternehmen viel zu klein“. Diesen Satz höre ich immer wieder.

Ohne Risiko keine Chance……… ist die eine Seite der Medaille. Die andere Seite: Krisenfrüherkennung ist laut §1 StaRUG (Gesetz über den Stabilisierungs- und Restrukturierungsrahmen für Unternehmen) seit dem 1.1.2021 gesetzliche Pflicht für alle Kapitalgesellschaften – unabhängig davon, wie groß oder klein das Unternehmen ist. Ebenfalls erfasst von §1 StaRUG sind berufene Geschäftsleiter oder Geschäftsführer von Gesellschaften ohne Rechtspersönlichkeit (= Personenhandelsgesellschaften, z.B. OHG, KG, GbR-auch zeitlich befristete!).

Damit einher geht die Verpflichtung zur Einrichtung eines Früherkennungssystems für bestandsgefährdende Entwicklungen. Die Krisenfrüherkennung muss fortlaufend überprüft werden, damit bei sich abzeichnenden Krisen noch genügend Zeit bleibt, um geeignete Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Simple Frühwarnindikatoren für eine sich abzeichnende Unternehmenskrise reichen nicht aus, weil bestandsgefährdende Entwicklungen sich aus Risiken und deren Bewertung in EUR ergeben. Daher benötigt man eine Risikoanalyse mit quantitativer Bewertung und anschließender Risikoaggregation, um auch die Kombinationseffekte (Dominoeffekte) von Risiken zu erkennen. Eine verpflichtende Planung wurde somit gesetzlich verankert. Ein Früherkennungssystem ohne integrierte Unternehmensplanung ist daher untauglich.

Unternehmensplanung macht nicht nur wirtschaftlich Sinn, sondern ist aus vielerlei Aspekten verpflichtend. Wer ist schon gerne im Blindflug unterwegs und lässt sich überraschen? Planung ist ein Indikator für die Kompetenz der Unternehmensleitung und somit DAS Aushängeschild für ein Unternehmen. Eine Bilanz sagt nichts über die Planungsqualität aus, wenn man diese vorher nicht kennt!

Die Fähigkeit, Unsicherheiten (Chancen und Risiken) zu händeln, ist für einen nachhaltigen Unternehmenserfolg von zentraler Bedeutung. Es geht um passendes, strategisches Management unter Berücksichtigung der Chancen und Risiken. Die Priorisierung von Herausforderungen mit hohen Risiken sollten stärker berücksichtigt werden. Damit sind nicht nur Klimawandel und Digitalisierung gemeint, sondern insbesondere auch volkswirtschaftliche Extremrisiken, wie mögliche Inflations- und Zinskrisen. Besonders bei unternehmerischen Entscheidungen im Sinne von §93 AktG = „Business Judgement Rule“ sind immer quantitative Risikoanalysen nötig, um der Sorgfaltspflicht nachzukommen. Komme ich dieser Sorgfaltspflicht nicht nach, hat dies persönliche Haftung zur Folge! Möchte ich das riskieren, besonders wenn ich nicht (Mit)Eigentümer des Unternehmens bin?

Konzentration auf strategische Risiken, Optimierung der Fähigkeit Krisen frühzeitig zu erkennen (StaRUG) sowie die Aggregation von Risiken mittels Monte-Carlo-Simulation und Ermittlung der Risikotragfähigkeitsgrenzen machen letztendlich deutlich, wie robust ein Unternehmen ist. Die Robustheit eines Unternehmens hat in der Folge auch Auswirkungen auf den risikobasierten Zinssatz im Falle von Kapitalbedarf!

Kein Unternehmen ist zu klein für ein wertorientiertes Risikomanagement. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt, je früher desto besser – wie die Corona Pandemie vielen schmerzlich gezeigt hat. „Krise kann ein produktiver Zustand sein. Man muss ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen.“ (Zitat: Max Frisch) In diesem Sinne: Worauf warten Sie noch?